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Apfelbaum veredeln: Praktische Tipps vom Profi

Soll eine bestimmte Apfelsorte im eigenen Garten wachsen, ist es sinnvoll, diese zu veredeln. Wir zeigen, was es mit dem Apfelbaumveredeln auf sich hat.

Mann macht sich Notizen während Apfelbaumveredlung

Um eine bestimmte Apfelsorte zu bekommen, muss man veredeln [Foto: Syndy1/ Shutterstock.com]

Sie haben einen neuen Lieblingsapfel entdeckt und wollen diesen künftig vom Apfelbaum aus dem eigenen Garten ernten? Was liegt da näher, als ein paar Kerne aufzubewahren und gekonnt auszusäen? Eigentlich nichts – wäre der Apfel (Malus domestica) nicht ein Fremdbefruchter. Damit sich aus den Blüten eines Apfelbaumes Früchte entwickeln, muss nämlich der Pollen einer anderen Sorte die Narbe der Blüte treffen. Dies hat zur Folge, dass das genetische Material im Kern eine Mischung aus Mutter- und Vaterbaum ist. Folglich wird es in der nächsten Generation, die sich aus den ausgesäten Kernen entwickelt, eine bunte Mischung verschiedener Eigenschaften geben. Um jedoch die gewünschte Sorte schnell und sortenecht zu vermehren, macht man sich die Methode des Veredelns zu Nutze.

Blühender Apfelbaum auf Wiese

Die Veredelung ist notwendig, um bestimmte Eigenschaften der Apfelsorte zu duplizieren [Foto: schab/ Shutterstock.com]

Veredeln: Warum veredeln und was ist das?

Beim Veredeln geht es um das Vermehren einer bestimmten Sorte. Dabei steht die sortenechte Vermehrung im Hauptinteresse. Sortenecht bedeutet, dass die vermehrte Nachkommenschaft exakt der gleichen Sorte entspricht wie die zu vermehrende Muttersorte. Da der Apfel ein Fremdbefruchter ist, kann man dies leider nicht über die Samenvermehrung erreichen. Im Endeffekt wird so beim Veredeln ein Klon der Mutterpflanze geschaffen – genau wie bei der Vermehrung durch Stecklinge oder Ableger. Die Veredlung ist jedoch ein Exot, denn die Sorte mit den gewünschten Fruchteigenschaften – die sogenannte Edelsorte – wird mit einer anderen Pflanze mit spezifischen Wuchseigenschaften kombiniert – der Unterlage. Technisch wird die Edelsorte also auf die Unterlage gebracht. Das kann auf unterschiedlichste Arten und Weisen erfolgen. Dabei kann einiges schiefgehen und nicht selten kommt es vor, dass Unterlage und Edelsorte nicht zusammenwachsen. Das kann entweder daran liegen, dass Unterlage und Edelsorte nicht gut genetisch zusammenpassen oder schlicht die Übung beim Veredeln fehlt.

Warum also die ganze Mühe und das Risiko, sodass letzten Endes doch alles für die Katz ist? Andere Vermehrungsmethoden eignen sich leider nicht, um sortenecht zu vermehren (Aussaat) oder weisen noch geringere Produktivität auf (Stecklinge, Ableger). Außerdem kann man durch das Veredeln der Edelsorte zu bestimmten Wuchseigenschaften verhelfen: Kleinwüchsigkeit bei Bäumen für Plantagen, Standfestigkeit bei Bäumen für die Streuobstwiese − diese Eigenschaften werden durch die Unterlage bestimmt. Zudem kann durch das Veredeln die Zeit bis zur ersten Blüte und den Früchten des neu geschaffenen Apfelbaumes verkürzt werden.

Sämling in der Erde eingepflanzt

Durch Aussaat kann man Apfelbäume nicht sortenecht vemehren [Foto: kram9/ Shutterstock.com]

Vorteile des Veredelns von Apfelbäumen im Überblick:

  • Sortenechte Vermehrung
  • Schneller und sicherer Vermehrungserfolg
  • Gute Wuchseigenschaften der Unterlage können mit guten Fruchteigenschaften der Edelsorte kombiniert werden
  • Verkürzte Dauer von der Vermehrung bis zur ersten Blüte und Ernte von Äpfeln

Apfelbaum veredeln: Der richtige Zeitpunkt

Zum Veredeln von Apfelbäumen bieten sich verschiedene Zeitpunkte an. Dabei unterscheidet man zwischen den Winterveredlungen (Dezember bis März/April) und den Sommerverdlungen (Juli/August). Ob die Veredlung im Sommer oder Winter vorgenommen wird, hängt einzig und allein von der verwendeten Methode des Veredelns ab. Das physiologische Prinzip ist jedoch das gleiche: Die Kambien – das sind die teilungsfähige Gewebe, aus denen sich die Leitgefäße des Baumes bilden – von Unterlage und Edelsorte werden auf irgendeine Weise so verbunden, dass sie miteinander verwachsen und die oberirdische Edelsorte über die Wurzeln der Unterlage mit Wasser und Nährstoffen versorgt werden kann.

Apfelbäume im Winter

Veredeln kann man im Winter, sowie im Sommer [Foto: Susan Mary Griffith-Jones/ Shutterstock.com]

Apfelbaum veredeln: Die Unterlage

Ohne der sogenannten Unterlage ist an eine Veredlung gar nicht zu denken. Hierbei handelt es sich um einen Wurzelstock, dessen Früchte nichtprimär von Interesse sind. Vielmehr ist seine Wuchsform essentiell, denn wird eine Edelsorte auf eine Unterlage veredelt, so wird der Baum auch nach der Veredlung insbesondere die Wuchsform der Unterlage annehmen. Hat man also beispielsweise eine viel zu stark wachsende Edelsorte, so kann man diese auf eine schwachwachsende Edelsorte veredeln, um einen kleinwüchsigen Apfelbaum für einen kleinen Garten zu produzieren. Außerdem ist alles, was mit der Wurzel des veredelten Baumes zu tun hat, auf die Unterlage zu tun. Unter Berücksichtigung spezifischer Bodenansprüche können so Apfel-Edelsorten für unterschiedliche Standorte mit spezifischen Eigenschaften erzeugt werden.

Zusammengefasst können folgende Eigenschaften eines veredelten Apfelbaumes durch die Unterlage beeinflusst werden:

  • Wuchsform und Wüchsigkeit (schwach-/stark-wüchsig)
  • Standfestigkeit des Baumes
  • Standortansprüche
  • Stammform: Je nachdem auf welcher Höhe die Unterlage zur Veredlung abgeschnitten wird
  • Resistenzen insbesondere gegen bodenbürtige Krankheiten
    Applerootstock

    Durch Veredelung kann man einen passenden Baum für den eigenen Garten bekommen [Foto: Quercusrobur CC BY-SA 3.0 ]

Bei der Unterlage handelt es sich also um eine Pflanze, die ganz bestimmten Ansprüchen gerecht werden muss. Auch die Produktion von Unterlagen kann sehr speziell sein. Wir geben einen kurzen Überblick, wie Unterlagen für die Veredlung von Apfelbäumen produziert werden können:

  • Vegetative Vermehrung von Unterlagen durch Abrisse
    • Mutterpflanze wird bis auf den Boden zurückgeschnitten
    • Schichtweise Anhäufelung der neu austreibenden Triebe; dadurch bilden sich im unteren Bereich Wurzeln
    • Ernte der Abrisse im Spätherbst mit bestimmter Maschine: Bewurzelte Triebe werden im Damm abgeschnitten, Mutterpflanze bleibt bestehen
    • Auspflanzung des Abrisses als eigene Pflanze
    • Unterlage wird bewurzelt und kann für Veredlung verwendet werden
  • Generative Vermehrung von Unterlagen durch Sämlinge
    • Aufwendige Züchtung von homogenen Unterlagen-Linien
    • Vermehrung durch Samen
    • Übliche Entwicklung als Sämling

Da die Unterlagen insbesondere für den Erwerbsgartenbau von Interesse sind, besitzen diese häufig eher technische Namen. Anschauliche Bezeichnungen wie ‚Golden Delicious‘ oder ‚Goldparmäne‘ sucht man vergeblich. Hier eine kleine Auswahl an Unterlagen, die häufig zum Veredeln verwendet werden:

  • ‚M 9‘: Schwachwachsend; kleine Bäume/Kübelbäume
  • ‚M 11‘: Stark wachsend; Halbstämme
  • ‚M 26‘: Schwachwachsend; kleine Bäume/Kugelbäume

Apfelbaum veredeln: Edelreis und Edelauge

Die Pflanzenteile, welche von der Apfelsorte stammen, deren vorzügliche Früchte man vermehren möchte, werden als „Edelreis“ oder „Edelauge“ bezeichnet. Bei einem Edelreis handelt es sich um ein ungefähr 10 cm lange Teilstück eines Triebes der Edelsorte. Ein Edelauge ist hingegen eine einzelne vegetative Knospe, die allerdings von einem Edelreis entnommen werden kann. Je nach angewandter Methode des Veredelns hat man sich für Edelreis oder Edelauge zu entscheiden. Da Edelreiser in der Regel mehrere Edelaugen umfassen, können durch die Vermehrung über Edelaugen mehr Veredlungen durchgeführt werden als durch Edelreiser.

Trieb eines Baumes

Der Edelreis ist ein Teilstück des Triebs der Edelsorte [Foto: NIKO_Photographer/ Shutterstock.com]

Als Edelreiser kommen nur gut ausgereifte einjährige Triebe mit kurzen Knospenabständen in Frage. Diese Triebe finden Sie im äußeren, gut besonnten Bereich der Krone. Bei Winterveredlungen werden die Edelreiser bereits im Dezember oder Januar gesammelt und zunächst kühl und dunkel eingelagert. Steht ein Gewächshaus mit Beheizung zur Verfügung, kann auch direkt veredelt werden. Bei Sommerveredlungen werden die Edelreiser möglichst kurzfristig vor der Veredlung geerntet. Hier werden ebenfalls gut ausgereifte einjährige Triebe geerntet. Logischerweise sind diese gerade belaubt. Die Blätter werden bis auf ein kleines Stück des Blattstieles mit einer Rosenschere entfernt und auch die kleinen Nebenblätter werden von Hand abgezupft. Nun sind die Edelreiser bereit für die Sommerveredlung und können sogar noch kurz – jedoch nach Möglichkeit aber nicht länger als drei Tage – kühl und dunkel gelagert werden.

Apfelbaum wie veredeln?

Wie man einen Apfelbaum veredeln sollte, hängt von mehreren Bedingungen ab:

  • Zu welcher Jahreszeit soll veredelt werden?
  • Welchen Durchmesser haben Unterlage und Edelreis?
  • Wie viel Pflanzenmaterial der Edelsorte steht zum Veredeln zur Verfügung?

Natürlich benötigt man für so eine spezielle Arbeit wie das Veredeln auch einiges an speziellen Werkzeugen:

  • Sehr scharfes Messer, am besten ein spezielles Veredlungsmesser
  • Rosenschere
  • Bast oder spezielle Veredlungsgummis zum Verbinden der Veredlungsstelle
  • Gegebenenfalls Wachs zum Versteichen der Veredlungsstelle
Mann arbeitet mit Veredlungswerkzeug

Hier sieht man ein Veredlungsmesser, ein Veredlungsband, eine Gartenschere, ein Okuliermesser mit Löser und eine Veredlungsschere [Foto: Sergii Kuchugurnyi/ Shutterstock.com]

Apfelbaum veredeln: Das Vorgehen

Achten Sie beim Veredeln Ihres Apfelbaumes − egal bei welcher Methode − darauf, dass die beiden Veredlungspartner perfekt aufeinander liegen und keine Zwischenräume entstehen. So ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass Leitgefäße und teilungsfähiges Kambium beider Veredlungspartner gut und schnell zusammenwachsen. Außerdem kann das Risiko des Befalls mit Krankheiten oder Schädlingen über die Veredlungsstelle minimiert werden. Um eine unnötige Verunreinigung der Schnittstellen zu vermeiden, berühren Sie nach Möglichkeit die Stellen nicht mit den Fingern. Das genaue Vorgehen beim Veredeln von Apfelbäumen hängt natürlich im Wesentlichen davon ab, für welche Veredlungsmethode man sich entscheidet. Wir nehmen die verschiedenen Methoden genauer unter die Lupe:

Winterveredlungen

  • Kopulation

Bei der Kopulation werden Unterlage und Edelreis mit gleichem Durchmesser jeweils schräg angeschnitten, sodass die Schnittflächen perfekt aufeinanderpassen. Der Schnitt sollte circa fünf Zentimeter lang sein. Durch den schrägen Schnitt wird die Auflagefläche vergrößert, sodass Unterlage und Edelsorte auf einer größeren Fläche und somit stabiler miteinander verwachsen können. Die Methode kann sehr gut im Winter durchgeführt werden, da zu dieser Zeit auch keine Blätter vom Edelreis entfernt werden müssen.

  • Unterlage und Edelreis mit gleichem Durchmesser auswählen.
  • Unterlage und Edelreis mit einem schrägen, etwa 5 cm langen Schnitt versehen.
  • Unterlage und Edelreis an den Schnittflächen zusammenfügen und mit Bast oder einem Veredlungsgummi verbinden.
  • Veredlungsstelle mit einem Veredlungswachs verstreichen.
    Kopulation mit Ästen

    Die Äste müssen perfekt aufeinander passen [Foto: Aldona Griskeviciene/ Shutterstock.com]

  • Geißfuß-Methode

Die Geißfußmethode eignet sich sehr gut, wenn man nur eine Unterlage mit einem deutlichen größeren Durchmesser als das Edelreis zur Verfügung hat. An der geköpften Unterlage wird ein keilförmiges Stück wie aus einer Torte herausgeschnitten. Dabei ist darauf zu achten, dass dar Schnitt von oben nach unten spitz zuläuft. Der Edelreis wird der Keilform der Unterlage entsprechend auf einer Seite angespitzt.

  • Unterlage von ungefähr doppeltem Durchmesser des Edelreises.
  • Schnitt an der Unterlage:
    Zwei schräge Schnitte von oben nach unten, sodass ein 3 – 4 cm langer Keil (Geißfuß) herausgeschnitten wird.
  • Schnitt am Edelreis:
    Edelreis mit zwei schrägen Schnitten zu einem Gegenkeil des Geißfußes formen, sodass Keil des Edelreises genau in den Keil der Unterlage passt.
  • Achten Sie darauf, dass das Kambium (grüne Schicht der Rinde) des Edelreises auf dem Kambium der Unterlage liegt und kein Zwischenraum entsteht.
  • Verbindungsstelle zwischen Unterlage und Edelreis mit Bast fixieren und mit Veredlungswachs verstreichen.
  • Pfropfen (Spaltpfropfung)

Bei der Spaltpfropfung wird ein deutlich dünnerer Edelreis in eine dicke Unterlage gepfropft. Dazu wird in den gerade abgeschnittenen Pfropfkopf der Unterlage ein senkrechter, etwa fünf Zentimeter langer Schnitt im Randeberich über die komplette Fläche des Pfropfkopfes getätigt. So entsteht an der Unterlage eine Zunge, die vorsichtig leicht gelöst werden kann, sodass ein Spalt entsteht. Das dünne Edelreis wir beidseitig spitz zulaufen auf eine Länge, die dem Spalt in der Unterlage entspricht, zugeschnitten. Der keilförmige Edelreis kann einfach in den Spalt der Unterlage gesteckt werden, wobei das am äußeren Rand geschehen muss, damit die Kambien und Leitgefäße von Unterlage und Edelreis überhaupt verwachsen können.

  • Schnitt Unterlage: Senkrechter, etwa 5 cm langer Schnitt über die gesamte Fläche des Pfropfkopfes; von Vorteil, wenn nicht mittig, sondern eher im Randbereich geschnitten wird.
  • Schnitt Edelreis: Zu einem beidseitigen gleichmäßigen Keil in der Länge des Unterlagenschnittes anspitzen.
  • Unterlage und Edelreis zusammenführen, mit Bast verbinden und mit Veredlungswachs verstreichen.

Tipp: Es kann auch auf beiden randständigen Seiten des Spaltschnittes auf dem Pfropfkopf der Unterlage ein Edelreis aufgepfropft werden. Dann spricht man von „doppelten Spaltpfropfen“. So kann man einerseits direkt für eine Art Verzweigung sorgen, andererseits ist es theoretisch auch möglich, so zwei unterschiedliche Edelsorten auf einer Unterlage zu kombinieren.

Sommerveredlungen

  • Okulation: Edelauge statt Edelreis
    Okulation

    Bei der Okulation muss sich die Rinde des Baumes lösen, deswegen am besten Ende Juli bis Ende August anwenden [Foto: Aldona Griskeviciene/ Shutterstock.com]

    Bei der Okulation wird lediglich ein Edelauge auf die Unterlage gebracht. Der Name – abgeleitet aus dem Lateinischen „oculus“ für „Auge“ – ist also Programm. Da die dünn zugeschnittenen Edelaugen unter die Rinde der Unterlage geschoben werden, muss sich die Rinde des Apfelbaumes „lösen“. Dies ist von circa Ende Juli bis Ende August der Fall.

    • Edelreise wie oben beschrieben vorbereiten: Circa 1 cm stark im Durchmesser, einjährig und gut entwickelt; Blätter abschneiden und am besten unmittelbar verwenden.
    • Edelaugen flach unter der vegetativen Knospe aus dem Reiser auf eine Länge von ungefähr 3 cm herausschneiden; hell-grünliches Kambium muss enthalten sein und freiliegen (gegebenenfalls Holzteile entfernen).
    • In der Unterlage einen 1 – 2 cm langen, waagerechten Schnitt tätigen; mittig senkrecht nach unten einen Schnitt in der Länge des Edelauges vornehmen; der T-Schnitt ist relativ oberflächlich lediglich in der Rinde vorzunehmen, sodass das Kambium der Unterlage nicht verletzt wird.
    • Einsetzen des Auges: Das Edelauge halten Sie am besten mit dem Messerrücken fest, um es nicht zu verunreinigen. Heben Sie die Rinde unter dem T-Schnitt vorsichtig mit einem Messer an und setzen Sie das Auge hinein. Das Edelauge sollte sich in der Mitte befinden. Fixieren Sie die Stelle mit Bast, das Auge muss aber frei bleiben oder mit einem speziellen Okulationsverschluss aus Gummi behandelt werden.
  • Chip-Veredlung
    Bei der Chip-Veredlung oder dem „Chip-Budding“ handelt es sich im Prinzip um eine Abwandlung der Okulation. Es wird ebenfalls ein Edelauge an Stelle eines Edelreises verwendet. Allerdings wird bei der Chip-Veredlung nicht die Rinde gelöst, sondern relativ flach ein dem Edelauge entsprechendes Stück aus der Unterlage herausgeschnitten. Somit ist die Methode unabhängig vom Lösen der Rinde und könnte auch in den Wintermonaten vorgenommen werden.

    • Schneiden Sie einen gleichförmigen Holzspan (Chip) aus Edelreis und Unterlage. Beim Edelreis besteht der Chip aus der Knospe und der umgebenden Rinde, im Gegensatz zur Okulation wird hier der Teil des unterliegenden Holzes nicht abgelöst.
    • Einsetzen des Chips: Der Chip wird in die passend geschnittene Kerbe der Unterlage eingelegt. Fixieren Sie die Stelle mit Bast und verstreichen sie anschließend mit Veredlungswachs.
      Chip-Budding

      Chip-Budding ist eine Abwandlung der Okulation [Foto: Quercusrobur]

  • Pfropfen hinter die Rinde
    Als Winterveredlung haben wir das Pfropfen in den Spalt schon kennengelernt. Alternativ kann man ein Edelreis auch hinter die Rinde pfropfen. Da sich hierfür die Rinde lösen muss, wird diese Pfropfmethode im Sommer vorgenommen. Die Methode eignet sich für Unterlagen und Edelreisern mit deutlich unterschiedlichen Durchmessern.

    • Edelreis schneiden:
      Das Edelreis wird wie für Sommerveredlungen üblich vorbereitet. Um es auf die Unterlage zu pfropfen, wird ein etwa 5 cm langer, schräger Kopulationsschnitt getätigt.
    • Unterlage schneiden:
      Der Unterlagenbaum wird geköpft und ein gerader Pfropfkopf geschaffen. Mit einem abwärts gerichteten senkrechten Schnitt vom Pfropfkopf ausgehend − in der entsprechenden Länge der Fläche des Kopulationsschnittes des Edelreises − wird vorsichtig die Rinde der Unterlage gelöst.
    • Vorsichtig wird das Edelreis unter die Rinde der Unterlage geschoben, sodass die Schnittfläche gerade mit dem Kambium der Unterlage abschließt.
    • Veredlungsstelle mit Bast verbinden und mit Veredlungswachs verstreichen.

Tipp: Wie bei der Spaltpfropfung können auch hier mehrere Edelreiser gleichzeitig auf eine Unterlage veredelt werden, indem Sie an mehreren Stellen die Rinde der Unterlage lösen. Mehr als zwei bis drei Schnitte sollten Sie jedoch nicht vornehmen, um die Unterlage nicht zu sehr zu strapazieren.

Apfelbaum nach dem Veredeln pflegen

Viele Apfelbäume im Garten

Auch nach der Veredelung braucht ein Apfelbaum noch Pflege [Foto: Catalin Petolea/ Shutterstock.com]

Selbst wenn augenscheinlich gut veredelt wurde, ist das noch keine Garantie dafür, dass der Baum lange bestehen und für reiche Ernten sorgen wird. Auch nach der Veredlung erwartet ein Apfelbaum noch Zuwendung und Pflege. Löst sich beispielsweise der Bast nicht von alleine durch die Sonneneinstrahlung, müssen Sie den Bast nach dem Anwachsen aufschneiden, um ein Einschnüren in den Baum zu vermeiden. Nicht selten treibt auch nochmals die Unterlage neu aus. Das ist jedoch vergeudete Energie: Schneiden Sie alle Triebe, die unterhalb der Veredlungsstelle nach dem Veredeln austreiben, heraus. Generell ist es wichtig, den Apfelbaum regelmäßig und gekonnt zu schneiden, um ihm zu einer stattlichen Krone zu verhelfen. Wie Sie einen Apfelbaum richtig schneiden, erfahren Sie hier. Natürlich ist auch stets ein Auge darauf zu werfen, ob irgendwelche unerwünschten Schädlinge oder Krankheitserreger den Apfelbaum heimsuchen. Wie Sie einen Befall häufiger Krankheiten erkennen können und was in diesem Fall zu unternehmen ist, können Sie hier nachlesen.

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David

Ich bin Student der Gartenbauwissenschaften und zudem gelernter Zierpflanzengärtner. Das Thema Anbau lässt mich seit meiner Kindheit einfach nicht los: Egal, ob auf der kleinen Stadtfensterbank oder im großzügigen Garten - Gärtnern muss ich auch in meiner Freizeit immer und überall.
Lieblingsobst: Himbeeren
Lieblingsgemüse: Brokkoli

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