Samenfestes Saatgut: Erklärung & Vorteile

Regina
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Ich habe Gartenbauwissenschaften am WZW in Freising studiert und pflanze in meiner Freizeit auf einem Stück Acker alles an, was Wurzeln hat. Das Thema Selbstversorgung und saisonale Ernährung liegt mir dabei besonders am Herzen.

Lieblingsobst: Quitte, Kornelkirsche und Heidelbeere
Lieblingsgemüse: Erbsen, Tomaten und Knoblauch

Samenfeste Sorten werden immer öfter als natürlichere Alternative zu Hybridsaatgut angeboten. Doch was ist samenfestes Saatgut eigentlich und wie erkennt man es?

samenfeste Samen
Sortenfeste Samen sind für den Hobbygärtner oft die bessere Wahl [Foto: Tatevosian Yana/ Shutterstock.com]

Nutzpflanzen selbst anzubauen und später auch Samen zu gewinnen, liegt voll im Trend. Dabei tauchen immer wieder die Begriffe samenfestes oder sortenfestes Saatgut auf. Aber was bedeutet „samenfest“ eigentlich genau und welche Vor- und Nachteile besitzen samenfeste Sorten? Wir gehen dem Begriff auf den Grund und erklären die Unterschiede zu Hybridsaatgut.

Was ist Samenfestes Saatgut?

Samenfestes oder sortenfestes Saatgut bezeichnet Pflanzen, die mit stabilem Sortenbild weiter vermehrt werden können. Die Nachkommen aus den gewonnenen Samen zeigen ähnliche bis gleiche Eigenschaften und die gleiche äußere Gestalt wie die Mutterpflanze. Zudem sind sie immer in der Lage, selbst fruchtbare Samen zu bilden.

Sortenfestes Saatgut entsteht auf natürliche Weise bei vorwiegend oder ausschließlich selbstbestäubenden Arten wie Tomate (Solanum lycopersicum), Bohne (Phaseolus vulgaris) oder Erbse (Pisum sativum). Durch händische Bestäubung ist auch die Züchtung samenfester Fremdbestäuber-Sorten wie Kürbisgewächse (Cucurbitaceae) möglich.

Handbestäubung für samenfestes Saatgut
Auch durch Handbestäubung entsteht samenfestes Saatgut [Foto: masterpiece creator/ Shutterstock.com]

Im Gegensatz dazu stehen Hybridsorten, die aus einer einzigen, gezielten Kreuzung mit zwei Inzuchtlinien, also reinerbigen Eltern, entstehen. Alle Nachkommen dieser Kreuzung sind genetisch identisch und besitzen dadurch alle genau die gleichen Eigenschaften. Dadurch bekommt man einen gleichmäßigen Pflanzenbestand mit exakt derselben Blütezeit, berechenbaren Erträgen und Krankheitsresistenzen oder Toleranzen. Mehr zum Thema Hybridsaatgut und was es für Gärtnereien und Landwirte bedeutet, erfahren Sie in unserem Spezialartikel.

In der Züchtung unterscheidet man nicht nur zwischen Hybridsorten und samenfesten Sorten – es gibt auch sogenannte Populationssorten. Sie werden teils als Landsorten bezeichnet und zählen im weiteren Sinne zu den samenfesten Sorten. Hier wird nicht eine bestimmte Sorten-Linie züchterisch verbessert und vermehrt. Stattdessen wird Saatgut von mehreren Mutterpflanzen mit den gewünschten Eigenschaften, die sich wild durcheinander verkreuzen dürfen, gewonnen. Sie alle besitzen einen bestimmten Genpool und werden daher als eine „Sorte“ bezeichnet, kommen aber in ihrem Erscheinungsbild im Vergleich zu genetisch identischen Hybridpflanzen deutlich uneinheitlicher daher. Dennoch kann man hier von einer Sorte sprechen, weil erkennbare und von anderen Sorten unterscheidbare Eigenschaften vorhanden sind. Populationssorten kommen typischerweise bei fremdbestäubenden Arten wie Roggen (Secale cereale) oder bei Kohlarten (Brassica) vor, bei denen eine händische Bestäubung sehr aufwendig wäre.

samenfestes Saatgut
Samenfeste Sorten können selbst vermehrt werden [Foto: fotoknips/ Shutterstock.com]

Welche Vorteile hat samenfestes Saatgut?

Samenfeste Sorten sind besonders für den Geldbeutel und den Erhalt der genetischen Vielfalt vorteilhaft. Die Sorten müssen nur einmal gekauft werden, anschließend können Sie selbst Saatgut gewinnen und an Freunde und Bekannte weitergeben. Im Vergleich dazu sind Hybride nicht nur deutlich teurer in der Anschaffung, sie müssen auch jedes Mal erneut gekauft werden. Hybride besitzen nur ein bestimmtes Set an Genen. Sie sind sozusagen genetisch verarmt, da ihnen die Vielfalt durch Inzucht der Elternlinien herausgezüchtet wurde. Sie wurden auf wenige, ganz bestimmte Eigenschaften hin optimiert – befinden sich also teils in evolutionären Sackgassen, falls sich beispielsweise das Klima ändert.

samenfeste Sorten
Bei Birnen oder Äpfeln gibt es zahlreiche, teils noch unentdeckte Lokalsorten mit wertvoller Genetik [Foto: PFMphotostock/ Shutterstock.com]

Samenfeste Sorten hingegen bewahren Vielfalt, auch indem sie „unerwünschte Eigenschaften“ bewahren, die allerdings in bestimmten Situationen, bei Krankheitserregern oder Witterungsbedingungen, einen Vorteil bieten. Ein Beispiel hierfür sind Tomatensorten, wie ‘Fuzzy Wuzzy‘ oder ‘Weißer Pfirsich‘, deren Blätter, Stängel und Früchte flaumig behaart sind. Die Haare verringern die Verdunstung von Wasser, was sie zu trockenheitstoleranteren Sorten macht. Auch zahlreiche Insekten meiden haarige Blätter – sie werden seltener angefressen oder von Blattläusen befallen.

Unter den samenfesten Sorten gibt es ebenfalls sogenannte Lokalsorten, die seit vielen Jahren in einem bestimmten Gebiet angebaut wurden und sich in dieser Zeit ideal an die vorherrschenden Bedingungen anpassen konnten, wie beispielsweise die Kartoffelsorte ‘Bamberger Hörnchen‘ oder zahlreiche Streuobst-Sorten.

Die Vorteile von samenfestem Saatgut auf einen Blick:

  • Vermehrung der Sorte über Samen möglich
  • Erhalt genetischer Ressourcen und Sortenvielfalt
  • Bewahrung historischer und kulturell bedeutsamer Sorten
  • Lokalsorten: Ideal angepasst an bestimmte Klima- und Bodenbedingungen
  • Kein jährlicher Neukauf erforderlich
  • Weitergabe einer Lieblingssorte an Freunde

In unseren Plantura Samen-Sets ist ausschließlich samenfestes Bio-Saatgut enthalten. Je nach Set sind unterschiedliche Sorten oder Arten für den Balkon, Gemüsegarten oder das Kräuterbeet enthalten. Sie können die enthaltenen Varietäten alle selbst weitervermehren und sich an der bunten Sortenvielfalt jedes Jahr aufs Neue erfreuen.

Hat samenfestes Saatgut auch Nachteile? Samenfestes Saatgut besitzt zwar viele Vorteile, im Vergleich zu Hybridsaatgut zeigen sich jedoch einige Nachteile. So besitzen samenfeste Sorten oft einen geringeren Ertrag, sind krankheitsanfälliger oder reifen uneinheitlich ab. Diese Eigenschaften sind vor allem für Landwirte und Gärtnereien von Bedeutung, die vom Anbau der Feldfrüchte leben.

Wie kann man samenfestes Saatgut erkennen?

Beim Kauf von Saatgut ist es recht einfach, samenfeste Samen zu erkennen, da laut Gesetz alle Hybridsorten den Zusatz „F1“ im Sortennamen tragen müssen. Alle Sorten ohne diesen Zusatz sind also samenfest. Auch bei Lokalsorten, die in einer bestimmten Region oder von Familien teils seit Jahrhunderten angebaut werden, handelt es sich um samenfestes Saatgut. Hobby-Vermehrer widmen sich dem Erhalt und der Weitergabe dieser teils völlig vergessenen Sorten und bieten sie zum Tausch oder Kauf auf Samenfestivals an.

samenfeste Tomaten
Die Vielfalt allein an samenfesten Tomatensorten ist gewaltig [Foto: yizhachok/ Shutterstock.com]

Historische Arten, die im Erwerbsgartenbau durch ertragsstärkere, robustere und einfacher zu kultivierende Varietäten ersetzt wurden, zählen ebenso zu den samenfesten Kulturen. Auch Wildpflanzen oder sehr seltene, fast vergessene Kulturen sind samenfest, da sie gar nicht erst aufwändig züchterisch bearbeitet werden. Somit werden auch Kerbelrübe (Chaerophyllum bulbosum) oder Haferwurzel (Tragopogon porrifolius) als samenfeste Gemüsesamen angeboten.

Historische, samenfeste Tomaten sind beispielsweise ‘Berner Rose‘, ‘Schlesische Himbeere‘ oder ‘Goldene Königin‘. Viele neue Sorten aus biologischer, besonders biologisch-dynamischer Züchtung, sind dank des Kreislaufgedankens sortenfest und mit der richtigen Technik über die Samen vermehrbar.

An der Pflanze oder dem Saatgut selbst gibt es hingegen keinerlei Möglichkeit, zu erkennen, ob es sich um eine samenfeste Sorte handelt oder nicht. Auffällig wird es, wenn selbstgewonnene Samen einer Hybridsorte im folgenden Jahr ausgesät werden. Die Nachkommen erhalten ein bunt durchgewürfeltes Set aus Elterngenen und wachsen daher uneinheitlich, weil jeder Samen ein individuelles Genom besitzt. Sie können sich stark unterscheiden in der Wüchsigkeit, Blütezeit, Fruchtform, -größe und -farbe sowie dem Geschmack.

Bestimmung samenfesten Saatguts
Anhand des Aussehens kann nicht bestimmt werden, ob es sich um Hybridsaatgut handelt [Foto: Happy Lena/ Shutterstock.com]

Ist samenfestes Saatgut immer Bio?

Samenfestes Saatgut bedeutet nicht automatisch, dass es sich auch um Bio-Saatgut handelt. Der Zusatz „Bio“ bezieht sich auf die Anbauform der Mutterpflanzen, von denen das Saatgut gewonnen wurde. Bei vielen biologischen Züchtern ist es mittlerweile jedoch üblich, dass samenfeste Sorten angebaut, züchterisch weiterbearbeitet und vermehrt werden. Bei biologisch-dynamischem Saatgut ist die Sortenfestigkeit sogar vorgeschrieben. Sie möchten Bio-Saagut kaufen und bedenkenlos selbst vermehren? In unseren Plantura Samen-Sets verwenden wir selbstverständlich ausschließlich samenfestes Bio-Saatgut in Premium-Qualität – dabei haben Sie die Wahl zwischen kompakten Sorten für den Balkon und ertragreichem Gartengemüse.

Wie genau Bio-Saatgut angebaut wird und was die Unterschiede zu konventionellem Saatgut sind, erfahren Sie in unserem Spezialartikel.

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