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Der Naturgarten: Lebensraum für Tiere und Pflanzen

Ein Naturgarten bietet Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen und sichert so die Artenvielfalt. Auch der Mensch profitiert durch reiche Ernten.

bunte Wildblumenwiese mit verschiedenen Pflanzen
Wildblumenwiesen sind nicht nur schön anzuschauen, sondern bieten auch Lebensraum für viele nützliche Insekten wie etwa Hummeln, Schmetterlinge und Schwebfliegen

In einem Naturgarten leben Mensch und Tier im Einklang. Er bietet den Menschen eine frische Ernte und vielen Tieren Nahrung und Unterschlupf. Er ist zwar geplant und gepflanzt, dennoch wirkt er wie natürlich gewachsen. Bevorzugt wachsen dort einheimische Pflanzen. Diese sind langlebig und bedürfen nur wenig Pflege.

Was ist ein Naturgarten?

Um einen echten Naturgarten anzulegen, sind besonders drei Kriterien wichtig: Zum einen wird im Naturgarten vollständig auf die Ausbringung chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel verzichtet. Diese sind nämlich nicht nur für Schädlinge tödlich, sondern haben oftmals auch auf Nützlinge wie Bienen fatale Folgen. Der Verzicht dieser Mittel schützt die Artendiversität und reduziert durch die Schonung nützlicher Gartentiere auch das Risiko eines Schädlingsbefalls. Vögel fressen Raupen, Igel und Kröten vernaschen Nacktschnecken und Marienkäfer halten Blattläuse fern. Neben chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln werden im Naturgarten auch mineralische Dünger möglichst vermieden. Diese haben im Gegensatz zu organischen Düngern den großen Nachteil, dass sie den natürlichen Nährstoffkreislauf umgehen und so den Boden in ein chemisches Ungleichgewicht stürzen können. Zudem beeinflusst die alleinige Verwendung von mineralischem Dünger die Humusbildung, sodass oft eine Verschlechterung der Bodeneigenschaften eintritt. Um die natürlichen Kapazitäten des Bodens zu erhalten oder sogar zu verbessern, setzt der Naturgarten deshalb auf organische Dünger. Zuletzt wird im Naturgarten der Einsatz von Torf gemieden: Besonders die hohe CO2-Bilanz torfhaltiger Erden lässt sich nicht mit einem nachhaltigen und naturnahen Garten vereinbaren. Zusätzlich kann Torf den natürlichen Boden im Garten austrocknen, da er zwar viel Wasser aufnimmt, aber nur wenig wieder an seine Umgebung abgibt. Wer bei Pflanzenschutz, Düngung und Blumenerde dagegen auf natürliche und nachhaltige Produkte setzt und chemische Stoffe vermeidet, verbessert auf Dauer den Boden und die Artenvielfalt im Garten und kann so gesündere und damit robustere Pflanzen anbauen.

Diese drei Kriterien sind für den Naturgarten besonders wichtig:

  • Vollständiger Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel
  • Verzicht auf ebensolche Düngemittel
  • Verzicht auf die Ausbringung von Torf
Naturgarten mit blühenden Blumen und Gartenwerkzeug
Im Naturgarten wird auf chemischen Pflanzenschutz, mineralischen Dünger und Torf verzichtet [Foto: Alexander Raths/ Shutterstock.com]

Naturgarten planen: So geht man vor

Wer einen Naturgarten plant, findet seine Inspiration am besten in der natürlichen Vegetation. Ähnlich wie eine naturgezauberte Umwelt, kann auch der Naturgarten viele verschiedene Elemente beinhalten und ganz verschiedenen Zwecken dienen: Während manche Naturgärtner vor allem Wert auf natürliche Biotope und Rückzugsorte für Nützlinge legen, möchten andere in ihrem Naturgarten auch Gemüsebeete anlegen. Auch ein Gartenteich oder reine Zierbeete können in den Naturgarten integriert werden. Doch hat nicht jeder Platz, um alles zu realisieren. Also gilt es, aus den möglichen Elementen die für den eigenen Garten und die eigenen Bedürfnisse richtigen auszuwählen – lassen Sie hierbei Ihrer Kreativität freien Lauf: Anders als bei anderen Gartenformen gibt es bei den Naturgärten keine strengen Vorgaben und beinahe jeder Wunsch lässt sich in die Gartengestaltung eingliedern. Als kleine Entscheidungshilfe für die Gestaltung des Naturgartens, haben wir Ihnen hier die gängigsten Bestandteile eines naturnahen Gartens aufgelistet.

Typische Elemente eines Naturgartens:

  • Biotope
  • Blumenwiesen
  • Gartenteiche
  • Gemüsebeete mit Fruchtfolge
  • Komposthaufen
  • Natürliche Sitzplätze
  • Obststräucher
  • Trockensteinmauern
  • Unterkünfte für Nützlinge
  • Wilde Hecken

Tipp: Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) hat viele Basistipps für die Planung und Gestaltung eines Naturgartens. Dabei dominiert eine bunte und vielfältige Tier- und vor allem Pflanzenwelt. Gärtnerisches Eingreifen ist nicht entbehrlich, deswegen gibt es hier einige Praxistipps, um den Naturgarten selbst anlegen zu können.

Naturgarten gestalten: Ideen und Tipps für Anfänger

Einen Naturgarten zu gestalten, hört sich im ersten Moment einfach an, stellt aber besonders Anfänger vor große Herausforderungen: Durch die beinahe unendliche Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten und den zahlreichen unterschiedlichen Elementen, ist es oftmals schwer, die Übersicht zu behalten und erste Entscheidungen zu treffen. Damit der Einstieg etwas leichter fällt, haben wir einige Ideen und Tipps für den Naturgarten für Anfänger zusammengetragen, die von der Auswahl der richtigen Pflanzen, über die Gestaltung von Rückzugsräumen für Nützlinge bis zum Anlegen eines Gartenteiches reichen.

Heimische Pflanzen für den Naturgarten

Im Naturgarten haben per Definition weder Umweltgifte noch künstliche Dünger oder Torf Zutritt. Der Naturgärtner pflanzt regionale Arten an und vereint diese zu einer natürlichen Pflanzengemeinschaft. Dazu ist viel Geduld erforderlich – und ein Plan. Statt einer pflegeintensiven Rasenfläche bietet sich eine naturnahe Wiese mit heimischen Blumen an, die als Bienen- und Schmetterlingsweide dient. Als Einfriedung kommen einheimische Blüten- und Beerensträucher infrage, die gleichzeitig den Vögeln Nahrung bieten. Ein Hausbaum darf im Naturgarten natürlich auch nicht fehlen. Dazu eignen sich robuste, heimische Gehölze und Wildobst wie Linde (Tilia), Eiche (Quercus), Kastanie (Castanea), Speierling (Sorbus domestica) oder die Trauben-Kirsche (Prunus padus). Die Felsenbirne (Amelanchier) oder die rote Heckenkirsche (Lonicera xylosteum) sind außerdem schöne Ziersträucher. Ein Vorteil der einheimischen Pflanzen: Da viele Pflanzen besonders robust sind und sich gut an die bei uns vorherrschenden Gegebenheiten angepasst haben, entsteht oft ein pflegeleichter Naturgarten, der deutlich weniger Aufmerksamkeit wie ein traditionell gestalteter Garten braucht.

Wiesensalbei in Violett blühend
Wiesensalbei ist als heimische Pflanze für den Naturgarten geeignet [Foto: NH/ Shutterstock.com]

Weitere Pflanzen für den Naturgarten:

  • Blut-Storchenschnabel (Geranium sanguineum)
  • Eisenhut (Aconitum)
  • Großblütige Königskerze (Verbascum densiflorum)
  • Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris)
  • Glockenblume (Campanula)
  • Kriechende Günsel (Ajuga reptans)
  • Natternkopf (Echium vulgare)
  • Sal-Weide (Salix caprea)
  • Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)
  • Vogelbeere (Sorbus aucuparia)
  • Walderdbeere (Alchemilla glaucescens)
  • Wiesensalbei (Salvia pratensis)
  • Wildrosen (Rosa)
Plantura Nützlingsmagnet
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Feucht- und Trockenbiotope im Naturgarten anlegen

Feucht- und Trockenbiotope sind typisch für den Naturgarten. Steinhaufen, Trockensteinmauern oder Totholz bilden nämlich den Lebensraum für die Tiere im Garten. So kann ein alter Baumstamm als Totholzstapel zur Heimstatt für Insekten, Pilze und Flechten werden. Locker gestapelte Laub- und Reisighaufen sind dagegen als Rückzugsort für Igel, aber auch zahlreiche Insektenarten attraktiv. Eine Trockensteinmauer ist besonders dekorativ. Und da diese Mauern ohne Mörtel aufgebaut sind, entstehen kleine Nischen, in denen Blindschleichen, Eidechsen, Hummeln, Kröten, Wildbienen oder Wiesel ein Versteck finden. Eine besonders einfache Art, um ein Trockenbiotop im Naturgarten anzulegen, ist die Zurverfügungstellung offener Sandflächen: Viele Wildbienenarten nutzen sonnige Sandhügel oder unbepflanzte Stellen im Beet, um ihr Quartier zu bauen. Ist genug Platz im Garten, darf natürlich auch ein Feuchtbiotop nicht fehlen. Gartenteiche sind nicht nur bei Menschen beliebt, sondern bieten auch einen geeigneten Lebensraum für zahlreiche Wildtierarten. Auch ein kleiner Bachlauf lockt viele Wildtiere und Nützlinge an und eignet sich perfekt, um Ihren Naturgarten ansprechend zu gestalten.

Nistkästen und Nützlingsunterkünfte im Naturgarten

Rückzugsorte und Winterquartiere für Vögel, Insekten und Fledermäuse sind wichtig. Nistkästen sind für Jungvögel Brutstätte und Nest zugleich. Oft werden sie auch als Schlafquartier genutzt. Wer Wespen und anderen Insekten ein Zuhause in seinem Garten schafft, hat Hilfe bei der Bekämpfung von Schädlingen, wie Fliegen, Raupen und Blattläusen. Ein „Insektenhotel“ schafft eine Heimat für Tausendfüßler, verschiedene Käfer oder Regenwürmer. Dieses besteht aus einem mit verschiedenen Naturmaterialien gefüllten Rahmen, wie beispielsweise Stroh, Tannenzapfen, Holzscheiben oder hohlen Ästen.

Eine Anleitung, wie Sie eine Nisthilfen für Wilbienen bauen, finden Sie beispielsweise hier in unserem Artikel.

Bienenhotel aus Holz
Eine Unterkunft wie der hier abgebildete Bienennistplatz ist ein typisches Element des Naturgartens [Foto: Andrea Geiss/ shutterstock.com]

Komposthaufen im Naturgarten

Verrottete organische Materialien werden in der Natur wieder zu Pflanzen, wie in einem ewigen Kreislauf. Es ist sinnvoll, dieses Prinzip im Garten zu nutzen und nichts zu verschwenden. Dabei ist aber eines zu bedenken: Kompost entsteht nicht von allein. An der Entstehung sind Mikroorganismen und Bodentiere beteiligt, die unbedingt Luft brauchen. Der Kompost darf also auf keinen Fall gären. Eine gute Luftzirkulation ist daher Grundvoraussetzung für gesunden Kompost.

Auf den Kompost gehören neben Küchenabfällen, Grasschnitt oder Blättern auch gehäckselte Zweige vom Strauch- oder Baumschnitt. Dabei darf der Komposthaufen auch nicht austrocknen, sonst ziehen sich die Mikroorganismen in die unteren Lagen zurück und arbeiten nicht an der Zersetzung der Abfälle. Wenn zu viel Feuchtigkeit vorhanden ist, faulen die Abfälle hingegen.

Tipp: Den Komposthaufen über den Winter am besten in Ruhe lassen und im Frühling nicht umschichten. Der Grund: Es leben dort sehr viele Insekten, Raupen, Würmer und Larven. Ist der Komposthaufen zu Humus verrottet, dient er als nährstoffreicher Dünger im Garten und sorgt für eine tolle Ernte im Gemüsebeet.

Teich im Naturgarten anlegen

Wer einen Naturgarten gestalten möchte, wird schon bald mit dem Gedanken an einen Teich spielen. Tatsächlich ist für jeden Naturgarten der Teich eine Bereicherung, da er die Artenvielfalt noch einmal steigert. Neben zahlreichen Teichpflanzen, die sich sowohl im Wasser als auch am Rand wohlfühlen, profitieren vor allem Insekten, aber auch Kröten, Frösche und Molche von dem kühlen Nass. Damit sich diese allerdings wohlfühlen, sollten mehrere Regeln beachtet werden: Vor allem sollte der Teich im Naturgarten keine Fische enthalten. Besonders die beliebten Goldfische und Kois machen den Insekten im Gartenteich nämlich das Leben schwer, indem sie Eier und Larven auffressen. Im schlimmsten Fall können sie so das natürliche Ökosystem empfindlich stören, weshalb man besser auf sie verzichtet. Langweilig wird der Naturgarten-Teich aber trotzdem nicht: Gestaltet man ihn mit unterschiedlichen Tiefen, kann eine unglaubliche Pflanzen- und Tiervielfalt den Gartenteich als ihr Zuhause nutzen. Tiefere Zonen, die mindestens 1,20 Meter tief sein sollten, dienen außerdem als frostsichere Überwinterungszone für zahlreiche Tierarten.

Was Sie noch beim Anlegen eines Gartenteiches beachten müssen und welche Teichpflanzen sich besonders gut eignen, erfahren Sie hier.

Frosch an Teich in Naturgarten
Frösche gehören zu den Tieren, welche im Gartenteich Unterschlupf suchen [Foto: Phillip Wittke/ Shutterstock.com]

Weitere Ideen für die Gestaltung eines Naturgartens

Eine Wildstrauchhecke ist ganzjährig ein optisches Highlight. Sie blüht im Frühling, trägt im Sommer Früchte und färbt sich im Herbst leuchtend bunt ein. Die Früchte, wie beispielsweise die Hagebutte oder der Holunder, dienen als Nascherei für Menschen und Vögel. Zudem ist eine Wildstrauchhecke pflegeleicht und bietet Nützlingen, Vögeln und kleinen Säugetieren einen wichtigen Lebensraum.

Eine Blumenwiese bringt Farbe in den Garten und ist dabei total pflegeleicht. Sie gedeiht auf sehr mageren Böden, braucht keinen Dünger, nur wenig Wasser und lediglich einmal im Jahr einen Rückschnitt. Dort wachsen 50 bis 60 verschiedene Pflanzenarten und jedes Jahr können neue Farben oder Pflanzen hinzukommen. Sie schafft Lebensraum für mehr als 1.000 Insektenarten – unter anderem auch für Bienen und Schmetterlinge.

Plantura Schmetterlingstreff
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In einem wilden Eck wachsen Brennnesseln, die Schmetterlinge Futter bieten. Dieser Bereich ist wichtig für das ökologische Gleichgewicht und entwickelt sich ganz von selbst. Dort braucht es keine regelmäßige Pflege. Das kann eine versteckte Ecke hinter dem Hochbeet oder neben dem Komposthaufen sein.

Weitere schmetterlingsfreundliche Pflanzen, sowie bienenfreundliche Pflanzen finden Sie hier. Und in diesem Beitrag erfahren Sie mehr über Schmetterlingshäuser.

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